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09.07. bis 06.11.2016

Caricatures

Spott und Humor in Frankreich von 1700 bis in die Gegenwart

Ausstellung

Honoré Daumier (1808–1879), Le cauchemar, 1832, La Caricature (Journal) No. 69, Pl. 139 (23.02.1832), Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst

Die Geschichte der französischen Karikatur zeigt eindrucksvoll, welch wichtige Rolle die Bildsatire in den vergangenen Jahrhunderten im Kampf um Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit gespielt hat: Immer wieder haben sich Künstler mit ihren Zeichnungen gegen die bestehende Ordnung aufgelehnt und mit frechem Witz an Scheinfassaden von Staat und Gesellschaft gekratzt. Verbote, aber auch drastische Strafen waren über lange Zeit die Folge. Diese lange französische Tradition des Widerstands bewusst zu machen, ist Ziel der Ausstellung »Caricatures«.

Bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts deckt Jacques Callot in seinen Grafikfolgen soziale Missstände auf und zeigt Menschen am Rand der Gesellschaft. Um 1800 wird die Karikatur zu einer politischen Waffe und Napoleon zur beliebtesten Zielscheibe. Parallel erfreut sich die Gesellschaftssatire mit unterhaltsamen Serien zu Mode, Sitten und Gebräuchen großer Beliebtheit. Mit »La Caricature« und »Le Charivari« läutet Frankreich um 1830 die Epoche der satirischen Zeitschriften ein. Künstler wie Grandville und vor allem Honoré Daumier karikieren die Gesellschaft und – soweit es in den Grenzen der Zensur möglich ist – die Politik und ihre Repräsentanten.

In der Tradition von Künstlern wie Honoré Daumier stehen heute die Zeichner von »Charlie Hebdo« mit ihren politischen und gesellschaftskritischen Blättern. Doch die französische Karikatur hat auch im 20. und 21. Jahrhundert viele Facetten: Sie reicht von Albert Dubouts vergnüglichen Katastrophen bis zur frechen, subversiven Komik eines Tomi Ungerer, sie kennt den stillen, heiter-melancholischen Humor eines Jean-Jacques Sempé oder die unterhaltsamen Gesellschaftssatiren einer Claire Brecher. 

Über 190 Werke aus fünf Jahrhunderten wurden für die Ausstellung »Caricatures« ausgewählt. Sie markieren historisch bedeutsame Entwicklungen und geben zugleich Aufschluss über die künstlerische Qualität der französischen Karikatur. Die Exponate stammen zum überwiegenden Teil aus der Sammlung des Museums Wilhelm Busch. Ergänzt wird die Auswahl durch Leihgaben von Künstlern und aus Privatbesitz.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Prof. Monika Grütters MdB, und des Botschafters der Französischen Republik in Deutschland, S. E. Philippe Etienne.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einer Einführung von Gisela Vetter-Liebenow, Beiträgen von Ursula E. Koch und Rolf Reichardt sowie einem Interview mit Asiem El Difraoui. Ca. 200 Seiten mit 165 Abbildungen, ca. 25 €, gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, Hannover 2016.

Die Ausstellung Caricatures. Spott und Humor in Frankreich von 1700 bis in die Gegenwart wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Ernst von Siemens Kunststiftung und Antenne Métropole.

Honoré Daumier, Überall dasselbe ... in Aix, in Marseille, in Lyon, in Toulouse, in Bordeaux, in Angers, 1832, Museum Wilhelm Busch